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Eisenbahnbrücken in Siegen

Nördlich der Siegener Innenstadt im einstigen Vorort "Sieghütte" überqueren kurz nacheinander zwei Eisenbahnbrücken die Hagener Straße. Sie entstanden beim Bau einer Verbindungsbahn von Weidenau/Siegen über Siegen-Ost nach Haiger, im Anschluss an die Ruhr-Sieg-Strecke (1861). Die südliche Brücke befindet sich am Anschlussgleis vom Hauptbahnhof Siegen zum Bahnhof Siegen-Ost, die nördliche im Abschnitt von Weidenau nach Siegen.

Im Frühjahr 1911 hatte die Königliche Eisenbahndirektion Elberfeld zur Durchführung dieses Projektes eine besondere Eisenbahnbauabteilung in Siegen unter der Leitung von Regierungsbaumeister Carl Pirath (1884-1955) eingerichtet. Die eigentlichen Bauarbeiten wurden an der Hauptstrecke Weidenau/Siegen - Haiger im Herbst 1911 und an der Abzweigung Siegen Hauptbahnhof - Siegen-Ost im Jahre 1913 begonnen. 1915 waren die Arbeiten fertiggestellt.

Eisenbahnbrücke, Hagener Straße: Die südliche Brücke liegt im Verlauf der 1913 bis 1915 gebauten, eingleisigen Verbindung vom Siegener Hauptbahnhof durch den Giersbergtunnel in Richtung Bahnhof Siegen-Ost und überquert die Hagener Straße nahezu im rechten Winkel. Es handelt sich um eine Balkenbrücke, die aus zwei hohen, genieteten Vollwandträgern mit extrem flach gebogenen Untergurten besteht. Die Wartungsstege sind auf etwa halber Höhe der Träger angeordnet und werden von segmentbogigen Konsolen getragen. Die Brückengeländer aus Eisen in klassizistischem Dekor (Andreaskreuz mit Mittelring) stammen aus der Bauzeit.Die Widerlagerwände und anschließenden, seitlichen Stützmauern sind dem Zeitgeist entsprechend mit Rustikamauerwerk verkleidet, die Stützmauern darüber hinaus festungsartig im Stil des Historismus durch kräftige Pfeilervorlagen und ein ausladendes Kranzgesims gestaltet.

Eisenbahnbrücke, Hagener Straße/Gießereistraße: Die nördliche Brücke liegt im Verlauf der Ruhr-Sieg-Strecke von 1861 im Abschnitt Siegen - Weidenau und kreuzt die Hagener Straße in spitzem Winkel. Sie wurde im Zuge der Hochlegung dieser Strecke 1913 -15 auf einen teils von Stützmauern aus Naturstein begleiteten Bahndamm errichtet. Es handelt sich um eine genietete Fachwerkträger-Brücke, die aus vier segmentförmigen Bögen aus Stahl mit oben liegender, aufgeständerter Fahrbahntafel besteht. Die Geländer sind in jugendstilhaften Formen gestaltet.Auch hier sind die Widerlagerwände und die anschließenden Stützmauern mit Rustikamauerwerk verkleidet, allerdings in einer schlichten Ausführung. Im Anschluss an die Brücke wird entlang der Gießereistraße der Bahndamm durch eine Natursteinmauer, in der sich große, korbbogige Gewölbe aneinanderreihen, gestützt. Die Gewölbe werden zum Teil als Lager genutzt.Die beiden Eisenbahnbrücken sind wichtige Zeugnisse für die Entwicklung der Verkehrs- und Wirtschaftsgeschichte des Sieg- und Lahn-/Dillreviers in Verbindung mit dem Ruhrgebietsowie für die Entwicklung des Eisenbahnverkehrs in der einstigen Industriestadt Siegen und markieren die Ausbauphase der Jahre 1911 bis 1915.

Wirtschaftliche Interessen hatten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Bau zweier wichtiger Eisenbahnlinien, der Ruhr-Sieg Strecke von Hagen nach Siegen (1858-61) und der Deutz-Gießener Eisenbahn von Köln-Deutz über Haiger nach Gießen (1859-62), geführt, die das Ruhrgebiet mit dem Sieg-, Lahn- und Dillrevier und darüber hinaus mit weiteren Zielen im Süden Deutschlands verbanden. Eine direkte Verbindung der Ruhr-Sieg-Strecke in den Süden fehlte jedoch. Der Weg dorthin führte nur über den Umweg über Betzdorf. Daher hatte es immer wieder Initiativen für eine kürzere Bahnverbindung zwischen Weidenau/Siegen und Haiger gegeben. 1908 wurde dieses Projekt endlich durch die preußische Regierung konzessioniert. Mit dem Bau der Strecke von Weidenau/Siegen nach Haiger über den Bahnhof Siegen-Ost wurde 1911, mit der Abzweigung vom Siegener Hauptbahnhof zum Bahnhof Siegen-Ost 1913 begonnen.

Topografische Schwierigkeiten und der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verzögerten die Bauarbeiten bis zur endgültigen Fertigstellung im Jahr 1915. Im Rahmen dieses Projektes legte man gleichzeitig die alte Ruhr-Sieg-Strecke von 1861 aus dem Bahnhof Siegen kommend Richtung Weidenau auf einen Damm, um die erheblichen Verkehrsbehinderungen insbesondere an der Kreuzung Hagener Straße zu beseitigen. Der Verkehr gelangte nun auf kürzestem Weg aus dem westdeutschen in den süddeutschen Raum. Die Wegersparnis gegenüber der alten Verbindung über Betzdorf betrug etwa 30 km. Hiervon sollten nicht nur das Sieg- und Lahn-/Dillrevier, sondern auch die Eisenindustrie Westfalens, besonders im Hagener und Iserlohner Raum wie auch im Lennegebiet profitieren.

Beide Eisenbahnbrücken sind charakteristische und qualitätvolle Beispiele der Ingenieurbaukunst dieser Zeit, deren Vorbilder im 19. Jahrhundert zu finden sind. Die Verbindung mit historistischen Bauformen unter Einflussnahme des Jugendstils ist typisch. Besonders die südliche Brücke mit den im Zeitgeist der wilhelminischen Ära gestalteten Stützmauern zeugt von hoher gestalterischer Qualität. Durch ihre exponierte Lage im Straßenraum, ihre Größe und Gestaltung kennzeichnen die beiden Brücken die Örtlichkeit in unverwechselbarer Weise. Aus Richtung Weidenau kommend hat die nördliche Eisenbahnbrücke nach wie vor Torcharakter und ist von hoher Merkfähigkeit.

Imme Wittkamp, LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen

Quellen und Literatur: Konrad Fuchs, Die Erschließung des Siegerlandes durch die Eisenbahn (1840-1917), Ein Beitrag zur Verkehrs- und Wirtschaftsgeschichte Deutschlands, Wiesbaden 1974, darin: Die Eisenbahn Weidenau (Sieg) - Siegen/Ost - Haiger, S.73-95. - Gustav Mosel, Das Siegerland und die Eisenbahn, Ein Beitrag zur Verkehrsgeschichte des Raumes Siegen, Siegen 1965, darin: Die Vorgeschichte des Baus der Verbindungsbahn Weidenau/Siegen - Siegen Ost - Haiger, S. 26-36, sowie: Bau der Verbindungsbahn Weidenau/Siegen - Siegen Ost - Haiger, S. 36-39.

Bildnachweis: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen: 1, 2 (Wittkamp). - Stadtarchiv Siegen: 3 (Bestand Fotosammlung Nachlass Wilhelm Weyer).Bilder:1 Siegen, Hagener Straße/Gießereistraße, nördliche Brücke. 2010.2 Siegen, Hagener Straße, südliche Brücke. 2010.3 Siegen, Hagener Straße, im Hintergrund die beiden Eisenbahnbrücke. 1952.

Anreise:

Adresse

Eisenbahnbrücken Hagener Straße Siegen
Hagener Straße 50
57076 Siegen
Telefon 4043316
h.balzer@siegen.de
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