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Der Riese Wackebold und der Hickengrund (Burbach)

Oder: wie der Hickengrund zu seinem Namen kam

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Riesen und Menschen waren sich noch nie ganz grün. Schon in den alten germanischen Mythen gerieten beide Spezies regelmäßig in Streit miteinander. In der basaltreichen Region um Burbach sind noch viele Kampfspuren dieser Auseinandersetzungen zu finden.





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Als die Berge rund um den Hickengrund noch mit wilden Urwäldern bedeckt waren, hauste auf der Höhe ein mächtiger Riese, Wackebold geheißen. Er mochte die Menschen nicht und riss die Bäume des Urwalds aus, um damit zu werfen, sobald Menschen in seine Nähe kamen. Sogar im Tal war niemand vor ihm sicher, wenn Wackebold große Basaltsteine von der Höhe herabwarf. Manche rollten bis in den Wetterbach und liegen dort bis auf den heutigen Tag. Wen wundert es, dass die Bewohner des Dörfchens ihre Häuser verließen und im Nassauischen eine sichere Unterkunft suchten.

Viele hundert Jahre blieb die Gegend menschenleer, und der Riese wurde fast vergessen. Da kam an einem schönen Frühlingsmorgen eine Schar hagerer, baumlanger Gestalten von den Höhen des Westerwaldes geschritten. Das waren Hans Hick und seine sieben Söhne. Als sie gerade aus dem verlassenen Dorf in den Wiesengrund schritten, erzitterte die Luft gewaltig. Ein schwerer Stein kam geflogen und traf den jüngsten Sohn, den armen Heinz am Kopf. Er fiel tot zu Boden. Die anderen hatten gerade noch Zeit, sich hinter einen Wiesenrain zu ducken und zu warten bis die Nacht hereinbrach.

Hans Hick und seine Söhne trugen den Jüngsten in die Kirche des Dorfes, beweinten und begruben ihn und schworen dem Riesen Rache. In dunkler Nacht schlichen sie  die Höhe hinan. Der Berg dröhnte vom Schnarchen des Riesen. Doch unerschrocken stellte sich Hans Hick auf die gewaltige Stirn des Unholds und warf ihm einen dicken Basaltbrocken in den weit aufgesperrten Rachen. Der Ruchlose erstickte jämmerlich.

Dann schleppten die mutigen Männer die Bäume zu Tal, die der Riese ausgerissen hatte und zimmerten neue hölzerne Häuser daraus. So entstand das Dorf Holzhausen. Hans Hick und seine Söhne blieben im Tal, das fortan der Hickengrund genannt wurde.

Wohl tausend Jahre sind vergangen, seitdem Hans Hick die Gegend von dem Riesen Wackebold befreite. Und doch spukt noch heute der Geist des Riesen in den Wäldern der Hickenhöhe. Mancher Wanderer, der sich in stürmischer Novembernacht in die Nähe des Großen Steines verirrt, mag dort ein unheimliches Brausen vernehmen, von dem die Bäume erbeben. Das ist das Schnarchen des Riesen, der keine Ruhe findet.

Quelle: gekürzte und vereinfachte Version auf der Basis des Textes von Adolf Wurmbach: Siegerländer Sagen, Siegen 1967, bearb. von Irene Rumpler, M.A.

Wie kommen die Riesensteine nach Burbach?

Die Gesteinsbrocken entstanden durch Frostsprengung eines Bolkanschlotes, sind also Vulkangestein. Die in der Landschaft von Burbach auffindbaren Basaltbrocken und –halden regten die Menschen zu Erklärungsversuchen darüber an, wie die Brocken wohl dorthin gelangt waren. Häufig erzählt wird die Geschichte vom ruchlosen Riesen Wackebold.