Loading...

Johann Heinrich Jung, genannt Jung-Stilling

Ökonom, Augenoperateur und Literat

Johann Heinrich Jung genannt Jung-Stilling (geb. 1740 in Grund bei Hilchenbach – 1817 gest. in Karlsruhe) war ein Multitalent seiner Zeit: Schneidergeselle, mit bereits 15 Jahren Dorflehrer, Augenarzt, Doktor der Medizin, Professor für Wirtschaftswissenschaften sowie Staatswissenschaften und Schriftsteller.





Jung_Stilling_Oelgemaelde_Stadt-Hilchenbach_farbig.jpg

Einen hohen Bekanntheitsgrad erlangte Johann Heinrich Jung-Stilling als Augenarzt, indem er etliche Kranke erfolgreich am grauen Star operierte, und als volkstümlicher Schriftsteller.

Die Nähe zum Montanwesen wurde Johann Heinrich Jung-Stilling in die Wiege gelegt: Der Großvater war als selbstständiger Köhler tätig, der Vater Jung war nicht nur Schneider sondern auch Vermessungsgehilfe seines Bruders, des Vermessungsingenieurs Johann Heinrich Jung, der später Oberbergmeister wurde.

Anfang 1756 verbrachte Jung-Stilling drei Monate als Haus- und Dorflehrer bei dem Fabrikanten Stahlschmidt in Himmelmert (heute ein Ortsteil von Plettenberg). Die Zeit im märkischen Sauerland hat auf Jung-Stilling keinen positiven Eindruck hinterlassen, wie in seiner „Lebensbeschreibung“ zu lesen ist.

1762 wandert er als Schneidergeselle ins Bergische aus und wurde schließlich von 1763 bis 1770 Hauslehrer des bergischen Unternehmers Peter Johannes Flender, der in Remscheid (Bergisches Land) mehrere Reckhämmer besaß und zeitweise regen Tauschhandel mit Eisenerzeugnissen betrieb. Bei Flender erlernte Jung-Stilling die kaufmännische Betriebsführung. Schließlich entschloss sich Jung-Stilling zu einem Medizinstudium in Straßburg, das er 1772 mit einem Examen abschloss. Bis 1778 betrieb er eine Arzt und Augenarztpraxis in Wuppertal-Elberfeld.

Während der ganzen Jahre hat sich Jung-Stilling um die Erforschung und Vermittlung der produktionstechnischen und ökonomischen Grundlagen des Montan- und Eisengewerbes bemüht und insgesamt 11 wirtschaftswissenschaftliche Lehrbücher und zahlreiche Fachaufsätze verfasst. So setzt er sich zum Beispiel in seinem Werk „Stahlhandel, Metallverarbeitung und Mechanisierung im Bergischen Land“ mit der seiner Ansicht nach gelungenen Mechanisierung von Arbeitsprozessen auseinander.

1778 folgte er einer Berufung als Professor für praktische Ökonomik auf den Lehrstuhl für Landwirtschaft, Kunstwissenschaft (=Technologie und Produktionswissenschaft), Handlungswissenschaft und Vieharzneikunde an die Kameral Hohe Schule nach Kaiserslautern. Ein Vierteljahrhundert lehrte Jung-Stilling unter anderem ökonomische Wissenschaften in Kaiserslautern, Heidelberg und Marburg.

Seinen letzten Lebensabschnitt verbrachte er ab 1806 als Betreuer des kranken Großherzogs von Baden in Karlsruhe.

Mehr über Jung-Stilling, aktuelle Forschungen sowie Bibliographien unter:
http://www.wiwi.uni-siegen.de/merk/stillinghttp://www.jung-stilling-forschung.de

Text: Susanne Thomas

Bild: Ölgemälde, bereitgestellt von der Stadt Hilchenbach