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Kunstmäzenin Gertrud Hueck

Fabrikantengattin als Kunstmäzenin

Die Fabrikantengattin Gertrud Hueck  (1897-1992) hegte und pflegte in ihrem Haus rege Kontakte zu Lüdenscheider und überregionalen Kunst- und Kulturszene, dabei trat sie nicht nur als passiv, sondern auch als aktiv handelnde Gönnerin auf. 





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Gertrud Hueck geborene Röpke war als Tochter eines Arztes in Solingen aufgewachsen und hatte eine Ausbildung zur Gewerbelehrerin absolviert. 1918 heiratete sie den Fabrikantensohn Oskar Eduard Hueck (1886-1966). Dessen Großvater, Eduard Hueck (1819-1881), hatte die gleichnamige Firma gegründet. Im Laufe der Zeit produzierte man Knöpfe und Haushalswaren, betrieb einen Eisenhammer sowie ein Messingwalzwerk und stellte auf Halbzeuge und Aluminiumbleche um. Mit dem Veredelungsverfahren von Aluminiumfolien gelang es Oskar Eduard Hueck ab den 1920er Jahren ein nachgefragtes Produkt zu entwickeln, das besonders für die Verpackungsindustrie von Bedeutung wurde. Seit 1923 hält die Familie Hueck Anteile an der Hella KG und fand mit Aluminiumsystemen und -profilen Abnehmer in der Automobilindustrie und anderen Branchen.

Gertrud und Oskar Eduard Hueck bekamen fünf Kinder. Als Fabrikantengattin war Gertrud Hueck gern auch Gastgeberin in ihrem Haus an der Humboldtstraße. Gesellschaftliche Anlässe ergänzte sie um Einladungen an Künstlerinnen und Künstler, sowohl im Bereich der Bildenden Künste als auch der Musik. Die Lüdenscheider Musikvereinigung initiierte sie gemeinsam mit Konrad Ameln und Wilhelm Boecker und wurde Mitglied im Vorstand. Die Konzerte der Musikvereinigung organisierte sie mit Eifer rund 40 Jahre lang mit, bis sie sich in den 1970er Jahren zunehmend zurückzog.

Auch Ida Gerhardi, die sich als Künstlerin eine Zeit lang in Paris aufgehalten hatte, ging in der Villa Hueck in Lüdenscheid ein und aus. Sie porträtierte zahlreiche Lüdenscheider Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft. Das bekannte Porträt des Gründers des Folkwangmuseums in Hagen (später Essen), Karl Ernst Osthaus, ist ebenfalls aus dem Atelier von Ida Gerhardi. Hier schließt sich zudem ein familiärer Kreis der Funckes und Huecks zwischen Lüdenscheid und Hagen. Der aus Lüdenscheid stammende Friedrich Hueck führte gemeinsam mit seinem Vetter Bernhard Wilhelm Funcke die 1844 gegründete Hagener Holzschraubenfabrik „Funcke & Hueck“. Ein Teil des erwirtschafteten Vermögens kam in Form des Nachlasses von Bernhard Wilhelm Funcke der Kunst zugute. Er ermöglichte dem Enkel Karl Ernst Osthaus den Aufbau des Museums und der Kunstsammlung in Hagen.

Die Villa Hueck, ein repräsentatives neobarockes Gebäude war 1913 erbaut und später von Oskar Eduard Hueck erworben worden. Hier wohnte die Familie zwischen 1929 und 1993. Nach dem Tod von Gertrud Hueck bezog ein Altenheim hier sein Domizil. Ab 2009 stand es leer. Mittlerweile ist ein Restaurant in die Räumlichkeiten eingezogen und das Haus wegen seiner Lage in der Humboldtstraße 36 zur „Humboldt-Villa“ umbenannt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Villa_Hueck)

Mit seinen Britannia-Waren war das Unternehmen „Eduard Hueck“ um 1900 auf der Höhe der Zeit. Diese silbrig glänzende Kupfer-Zinn-Antimon-Legierung wurde besonders gern für alle Arten von Besteck und Tischkultur (Kannen, Tabletts, Soucieren, etc.) verwendet. Zahlreiche Jugendstilformen aus Britannia-Metall zieren heute noch so manche Ausstellungsvitrine.

Quelle: u.a.: Barbara Gerstein: Hueck, Eduard. In: Neue Deutsche Biographie, Bd. 9. Berlin 1972.

Text: Irene Rumpler, M. A.

Abb.: Stadtarchiv Lüdenscheid. Gertrud Hueck, Gemälde von Ida Gerhardi, Öl auf Leinwand, 1924