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Franz der Dachs als Hüttenmann

Eine heiße Angelegenheit

Der Countdown läuft: 3, 2, 1, 0 – Los! Ich, Franz der Dachs, geht in die Geschichte der Raumfahrt als erster Dachs auf dem Mond ein. Was ich in der Hand habe, ist aber keine Suppenkelle, das ist mein Forschungsinstrument zur Aufnahme von Mondstaub.





Verhuettungsdachs_Zeichung Gerhard Kania.jpg

So, und nun bin ich wieder auf der Erde gelandet – dank meiner Schwester Frieda, die mir mit ihren altklugen Sprüchen immer meine Fantasiereisen vermiest. Diese alte Spielverderberin.

Aber mein Raumfahreranzug ist doch einfach nur cool, oder? Offen gestanden, ist dieser Anzug nicht wirklich tauglich für einen Ausflug ins All, auch wenn er so aussieht. Gegen Funkenflug und Hitze bin ich damit gut gerüstet, aber nicht gegen Sternenstaub und kosmische Strahlungen. Und Hitze hat dieser Anzug genug aushalten müssen, denn er wurde bis vor einigen Jahren von einem Hüttenarbeiter eines Hüttenwerkes hier um die Ecke getragen. Ein Hüttenwerk hat aber nichts mit dem Bau von Hütten, also kleinen Häusern, zu tun. Dafür braucht man auch andere Kleidung und wäre hiermit eindeutig „overdressed“ (zu gut gekleidet).  In einer „Hütte“ – kurz und knackig – wird aus Erzen, also metallhaltigen Steinen, bei ganz hohen Temperaturen das Metall rausgeschmolzen. Das passiert in einem Hochofen, dem Herz eines jeden Hüttenwerkes. So etwas ähnliches wie Hochöfen gab es schon vor über 2000 Jahren, ich würde diese allerdings eher als „Niedrigöfen“ bezeichnen, denn solch ein Ofen war vielleicht dachshoch und stand mitten im Wald. Ich habe mal Menschen beobachtet, die als Experiment solch einen Ofen aus Lehm nachgebaut und dann in diesem Erz geschmolzen haben. Das sah total einfach aus. Oben in den Ofen kam das Erz rein, dann die Holzkohle zum Heizen darauf, angezündet das Ganze und nach ein paar Tagen konnte man den Ofen aufbrechen und das rausgeschmolzene Metall rausbröckeln. Ich habe dann direkt versucht, in meiner Wohnkammer im Dachsbau einen solchen Ofen in ganz klein nachzubauen. Das hat einen Rauch aus dem Ofen gegeben und ich habe mir einen riesengroßen Ärger von Großvater Dachs eingehandelt. Es hat tagelang gedauert, bis sowohl der Rauch als auch der Ärger verraucht und sich aus dem Dachsbau verzogen haben. Aus meinem Experiment ist jedenfalls nichts geworden, schade. Auf jeden Fall habe ich später dann noch herausgefunden, dass sich an dem Prinzip der Erzschmelze seitdem bis heute nicht viel geändert hat. Naja, die Öfen sind viel größer geworden und die Temperaturen, die man heute erzeugen kann, sind höher als die Temperaturen, die man im Mittelalter mit Blasebalg hinbekam. Und mit den größeren Öfen und den höheren Temperaturen haben auch die Mengen, die geschmolzen werden, zugenommen. Deshalb muss ein Hüttenarbeiter heute auch solch einen silbrigen Schutzanzug mit Schutzhelm und Brille tragen.

Bei uns an der Eisenstraßen gibt es übrigens auch ein Hüttenwerk, das man besichtigen kann. Manchmal findet man im Wald aber sogar noch Überreste von den kleinen mittelalterlichen Öfen. Ihr erkennt die alten Verhüttungsplätze an Schlackeresten, die dort herumliegen. Schlacke sind leichte poröse Stein, die nach der Verbrennung übrigbleiben, wenn die Metalle rausgeschmolzen sind und sich alle übrigen Materialien im Ofen miteinander verbacken haben.

So, jetzt muss ich mal raus aus diesem Kittel, mir wird allmählich echt warm darin und wirklich bequem ist der auch nicht.

Kleine und größe Öfen, die erforscht werden können